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© Museum Zinkenbacher Malerkolonie

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Zinkenbacher Malerkolonie

Hommage an eine besondere Sommerfrische-Idylle

Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg trafen sich auf dem Adambauernhof in Zinkenbach bis zu 27 österreichische Künstler regelmäßig zur Sommerfrische. Obwohl die Künstler weltanschaulich teilweise sehr weit auseinanderlagen und auch unterschiedliche Malstile bevorzugten, kamen sie gut miteinander aus und amüsierten sich prächtig. Aus der losen Gruppierung befreundeter junger Menschen wurde schließlich die Zinkenbacher Malerkolonie. Mit dem Anschluss Österreichs an das damals nationalsozialistische Deutschland endeten die Zusammenkünfte 1938 jedoch abrupt.

Als Hommage an die wunderbare Zeit auf dem Adambauernhof wurde 1996 in St. Gilgen der Museumsverein  Zinkenbacher Malerkolonie ins Leben gerufen. Die seit 2001 alljährlich wechselnde Sommerausstellung erfreut sich bei kunstinteressierten Besuchern enormer Beliebtheit. 2019 wird die Ausstellung ganz unter dem Motto „Magische Momente“ stehen und sich schwerpunktmäßig mit Ludwig Heinrich Jungnickel befassen. Kunstliebhaber sollten sich im Zeitraum zwischen dem 22. Juni und dem 6. Oktober 2019 am besten schon jetzt einen Termin freihalten.

Bild Header:
Ludwig Heinrich Jungnickel
Marktszene in Dubrovnik 1935, Kohle/Aquarell

Die Geschichte der Zinkenbacher Malerkolonie

Die Künstler der Zinkenbacher Malerkolonie lernten sich in Wien kennen. Josef Dobrowsky und Ferdinand Kitt waren Studenten an der „Akademie der bildenden Künste“ und trafen 1919 in der Wiener Secession, einer Vereinigung bildender Künstler, auf Ernst Huber. Als Franz von Zülow 1922 in der Secession ausstellte, stieß er ebenfalls zu der damals noch kleinen Gruppierung. 1927 gesellte sich schließlich Sergius Pauser dazu, der ebenfalls ein Mitglied der Wiener Secession war. Gemeinsam bildeten sie zunächst den sogenannten „Künstlerkreis der Fünf“.


Ferdinand Kitt wurde schließlich entweder durch Kunsthistoriker Arpad Weixlgärtner oder durch den Maler und Illustrator Ludwig Heinrich Jungnickel auf die traumhafte Region rund um den Wolfgangsee aufmerksam. 1927 lud Kitt seine Freunde erstmals in den St. Gilgener Ortsteil Zinkenbach zur kreativen Sommerfrische ein. In den nächsten Jahren sollten 27 Künstlerinnen und Künstler diesem Ruf folgen. Einige schauten nur gelegentlich vorbei, andere Künstler dagegen sehr regelmäßig. Mitglieder der Kolonie waren neben den bereits genannten Künstlern unter anderem Oskar Laske, Viktor Pipal, Gertrud Schwarz-Helberger, Georg Ehrlich, Lisel Salzer, Alfred Gerstenbrand und Ernst August von Mandelsloh.

Viele Unterschiede und noch mehr Gemeinsamkeiten

Bild:
Die Badegesellschaft 1932
Die männlichen Künstler von links nach rechts:
Franz v. Zülow, Ernst Huber, Josef Dobrowsky, Ferdinand Kitt, Ernst August von Mandelsloh  

Die Badenden
© Nachlass Ferdinand Kitt Wien, 2019 Aus dem Blödelalbum: Hubers neue Schuhe - 1935/36
© Nachlass Ferdinand Kitt Wien, 2019

Ein Zitat von Kunsthistoriker Wolfgang Born lautet sinngemäß: „Jetzt haben die Maler Ernst Huber und Ferdinand Kitt Quartier im Hof des Adambauern aufgeschlagen. An jeder Ecke sitzt mit Stift und Pinsel ein weiblicher oder männlicher Maler. Die Staffeleien wachsen förmlich aus der Erde“ („Neues Wiener Journal“ vom 19. August 1932).

Der Adambauernhof verlangte von den Künstlern für Kost und Logis nur wenig. Es heißt sogar, dass die Milch teilweise mit Kunst bezahlt worden ist. Geld war trotzdem knapp: Um sich die Sommerfrische am Wolfgangsee leisten zu können, veranstalteten viele Künstler vor ihrem Aufenthalt Ausstellungen in Wien.


Weltanschaulich konnten die Mitglieder der Malerkolonie nicht unterschiedlicher sein. Da waren Liberale und Monarchisten, Kommunisten und Nationalsozialisten, „Völkische“ und Unpolitische. Die Liebe zur Kunst schuf jedoch eine unzertrennliche Verbindung über alle Weltanschauungen und Gesinnungen hinaus. Das Miteinander wurde geprägt von Geselligkeit und freundschaftlichen Beziehungen, häufig standen Gartenfeste, Tennispartien und Ausflüge auf dem Programm. Von dieser heiteren Atmosphäre zeugt das "Blödelalbum": In dem Album nahmen sich die Künstler karikaturistisch selbst auf die Schippe. Der Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit lag jedoch auf der Landschafts- und Porträtmalerei. Das sogenannte „Malschiff“ entstand, von dem die Künstler die Landschaft auch vom Wasser aus malen konnten. Ein berühmtes Gemälde von Ferdinand Kitt zeigt Mitglieder der Zinkenbacher Malerkolonie mit ihren Staffeleien auf einem Boot. Heute ist dieses Gemälde das Sinnbild für die gesamte Kolonie.


1938 kam es zum Zerfall der Gruppe, denn sie spaltete sich in zwei Lager. Einige Mitglieder arrangierten sich mit der politischen Situation und den neuen Machthabern, andere Künstler mussten dagegen überstürzt vor den Nationalsozialisten flüchten.

Bilder: © Nachlass Ferdinand Kitt Wien, 2019

Wie das heutige Museum entstand

Kulturhaus in St. Gilgen (c) Zinkenbacher Malerkolonie

Dass das Museum Zinkenbacher Malerkolonie heute überhaupt existiert, ist nicht zuletzt der Künstlerin Lisel Salzer zu verdanken. Der Einmarsch Hitlers am 12. März 1938 beendete nämlich damals ihre hoffnungsvolle Karriere zunächst sehr plötzlich und sie emigrierte in die USA. Später widmete sie sich in ihrer neuen Heimat aber wieder der Porträtmalerei und es folgten Arbeiten in Emaille sowie Radierungen.

Die Zinkenbacher Malerkolonie geriet viele Jahre in Vergessenheit. Erst 1996 stieß die damalige Kunstgeschichte-Studentin Christina Steinmetzer, die von 1974 bis 1989 als Landtagsabgeordnete fungierte, während ihres Studiums auf die einstige Künstlergruppe. Kurzerhand gründete sie einen Museumsverein und begann mit einer umfangreichen Recherche, die sie schließlich zu Lisel Salzer führte.

2002 besuchten Vertreter des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie die Künstlerin erstmals in den Vereinigten Staaten. Wenig später spendete Lisel Salzer viele ihrer Werke, die die Grundlage für die Entstehung des Museums bilden. Es handelte sich um 23 Ölbilder sowie 200 Grafiken. Ihre Worte lauteten damals „Die Bilder wollen nach Hause“. Die Künstlerin verstarb am 6. Dezember 2005 in den USA.

Gründerin und Initiatorin Christina Steinmetzer ist seit 2009 Ehrenvorsitzende des Museumsvereins.

Das Museum Zinkenbacher Malerkolonie und seine Ausstellungen

Ludwig Heinrich Jungnickel
Rauhaardackel Familie 1937, Ludwig Heinrich Jungnickel

Seit 2001 finden im Museum jährliche Sommerausstellungen mit jeweils einem Schwerpunkt statt. So war die Ausstellung im Vorjahr beispielsweise der Auflösung der Malerkolonie gewidmet und es wurden vor allem die Werke der Jahre 1937 bis 1939 beleuchtet. Außerdem erhielten Besucher interessante Einblicke in das Leben der Künstler im Exil. 2019 stehen „Magische Momente“ von Ludwig Heinrich Jungnickel aus den Jahren 1918 bis 1938 im Vordergrund. Der am 22. Juli 1881 in Wunsiedel (Fichtelgebirge/Oberfranken) geborene Künstler entwickelte schon früh einen eigenen expressiven Stil, der bis heute unverwechselbar ist. Jungnickel, der 1918 die österreichische Staatsbürgerschaft erlangte, wurde hauptsächlich durch seine Tierbilder bekannt und gilt nach wie vor als bedeutendster Tierdarsteller des 20. Jahrhunderts.

Bedingt durch die politischen Umstände emigrierte Jungnickel 1938 nach Jugoslawien. 1942 wurde er in Abwesenheit mit einem Ausstellungsverbot belegt und wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ angeklagt. 1952 kehrte der Künstler verarmt nach Österreich zurück und ließ sich in Villach nieder. Fünf Jahre später wurde ihm die Bronzemedaille für besondere Verdienste um die Republik Österreich verliehen und im Jahr darauf der Professorentitel.

Der Künstler verstarb am 14. Februar 1965.

Die Ausstellung „Magische Momente“ lädt im Museum Zinkenbacher Malerkolonie (Kulturhaus St. Gilgen, Aberseestraße 11, 5340 St. Gilgen am Wolfgangsee) zwischen dem 22. Juni und dem 5. Oktober 2019 jeweils dienstags bis sonntags von 14.00 bis 19.00 Uhr zu einer Besichtigung ein. Nach Voranmeldung ist auch eine Führung möglich. Passend zur Ausstellung erscheint ein Begleitband mit Abbildungen der in der Ausstellung gezeigten Werke.

Bilder: © Nachlass Ferdinand Kitt Wien, 2019

Ludwig Heinrich Jungnickel